Wehrspohn Risk Management

Risikolandkarten stehen in der Kritik. Zu Recht.

6. Januar 2026

Risikolandkarten stehen in der Kritik. Zu Recht. Aber man muss sie nicht wegwerfen. Risikolandkarten gehören zu den am weitesten verbreiteten Kommunikationsmitteln im Risikomanagement. Fast jeder kennt sie. Fast jeder versteht sie. Und genau deshalb werden sie genutzt. Die Kritik daran ist bekannt – und in vielen Punkten berechtigt. Ein zentraler Punkt: In klassischen Risikolandkarten gehen wesentliche Eigenschaften von Risiken verloren. Risiken sind keine Punkte. Risiken sind Verteilungen. Ob ein Risiko seltene Extreme hat, ob es stark schief ist, ob hohe Verluste typisch oder nur theoretisch möglich sind – all das bleibt in vielen Risk Maps unsichtbar. Zwei Risiken können am gleichen Punkt liegen, obwohl sie sich aus Risikosicht fundamental unterscheiden. Das Problem ist dabei nicht die Grafik. Das Problem ist, womit die Grafik gefüttert wird. Historisch war das nachvollziehbar: Als es keine Simulationen, keine Aggregation und keine leistungsfähigen Werkzeuge gab, mussten Risiken grob eingeschätzt werden. Ordinale Skalen und Kategorien waren ein pragmatischer Weg, Unsicherheit überhaupt kommunizierbar zu machen. Heute ist diese Einschränkung nicht mehr notwendig. Wir haben deshalb das vertraute Konzept der Risikolandkarte bewusst beibehalten – aber methodisch neu aufgesetzt. Unsere Risikolandkarte ist ein Scatterplot, dessen Achsen statistisch eindeutig definierte Größen zeigen, zum Beispiel: • Erwarteter Verlust • Conditional Value at Risk (Expected Worst Case) Beide Größen lassen sich für jedes Risiko berechnen, unabhängig von Verteilungsform, Schiefe oder Eintrittsmechanik. Und sie entstehen automatisch aus der Simulation – ohne zusätzliche Annahmen, ohne manuelle Bewertung. Das Ergebnis: Die Grafik bleibt vertraut. Die Information wird besser. Und weil die Achsen frei wählbar sind, gibt es nicht die eine Risikolandkarte, sondern verschiedene Blickwinkel auf dieselben Risiken – je nach Fragestellung, Entscheidungssituation oder Steuerungsbedarf. Risikolandkarten müssen kein Holzhammer sein. Sie können ein sauberes, anschlussfähiges Steuerungsinstrument sein – wenn man sie mit den richtigen Informationen füttert. Genau diesen Ansatz setzen wir in Risk Kit und im Enterprise Risk Evaluator (ERE) um: Risikolandkarten als verständliche Verdichtung von Simulationsergebnissen – anschlussfähig an bestehende Berichts- und Entscheidungsroutinen.

Bild anzeigen

Dieser Beitrag ist zuerst auf LinkedIn erschienen. Dort ansehen und mitdiskutieren