Wehrspohn Risk Management

Experteneinschätzungen skalieren in keiner Dimension

20. März 2026

Experteneinschätzungen skalieren in keiner Dimension Viele Unternehmen verlassen sich im Enterprise Risk Management immer noch stark auf Experteneinschätzungen. Das Problem: Dieses Verfahren skaliert nicht. Und zwar gleich in mehreren Dimensionen: 1️⃣ Anzahl der Risiken Experten sind ein knapper Faktor. Mehr Risiken bedeuten mehr Workshops, mehr Abstimmungen, mehr Aufwand. Irgendwann wird selektiert – und Risiken fallen unter den Tisch. 2️⃣ Zeithorizont Ein Jahr? Machbar. Drei Jahre? Schwierig. Fünf Jahre? Spekulation. Je weiter der Blick in die Zukunft, desto unzuverlässiger die Einschätzung. 3️⃣ Komplexität In der Praxis wird zwangsläufig vereinfacht. Oft wird ein und dieselbe Methodik auf alle Risiken angewendet – gleiche Verteilungen, gleiche Logik. Die individuelle Struktur eines Risikos geht dabei verloren. 4️⃣ Update-Frequenz Bewertungen werden selten aktualisiert – quartalsweise, halbjährlich oder jährlich. Und ehrlich gesagt: In vielen Fällen werden 90 % einfach bestätigt. 5️⃣ Szenariofähigkeit „Was passiert im Stressszenario?“ Die ehrliche Antwort: Das wird meist nicht gerechnet, sondern diskutiert – weil es zu aufwendig ist, jede Annahme neu durch Experten bewerten zu lassen. Der Gegenentwurf: modellbasierte Risikobewertung Modelle folgen einem anderen Skalierungsprinzip. Der Aufwand liegt am Anfang – in der Modellentwicklung. Ist das Modell einmal aufgebaut, entsteht ein System, das nahezu beliebig skaliert. Und plötzlich ändern sich die Spielregeln: ✔️ Ob 100 oder 30.000 Risiken bewertet werden, spielt keine Rolle mehr ✔️ Ob ein Jahr oder zehn Jahre betrachtet werden, folgt derselben Logik ✔️ Updates können jederzeit erfolgen – sogar täglich ✔️ Szenarioanalysen werden nicht diskutiert, sondern gerechnet ✔️ Komplexität wird nicht reduziert, sondern strukturiert abgebildet ✔️ Aggregation erfolgt konsistent und mathematisch sauber Der entscheidende Punkt: Experteneinschätzungen sind ein lineares System. Mehr Anforderungen bedeuten automatisch mehr Aufwand. Modelle sind ein nichtlineares System. Mehr Anforderungen führen kaum zu zusätzlichem Aufwand. Was bedeutet das für Unternehmen? Nicht „Experte oder Modell“. Sondern: 👉 Experten werden für die Strukturierung und Modellierung genutzt 👉 Modelle übernehmen die skalierbare Bewertung Wer weiterhin ausschließlich auf Experteneinschätzungen setzt, entscheidet sich implizit für ein System mit eingebauter Wachstumsgrenze. Und genau das wird im modernen Risikomanagement zum Problem.

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