Wehrspohn Risk Management

Planabweichungen als Risikobegriff – sinnvoll, aber nicht ausreichend

4. Dezember 2025

Planabweichungen als Risikobegriff – sinnvoll, aber nicht ausreichend In vielen Unternehmen ist das Risikomanagement historisch im Controlling verankert. Das prägt den Risikobegriff: Risiko = Abweichung vom Plan. Aus Sicht des Controllings ergibt das Sinn. Controller werden daran gemessen, ob das Unternehmen driftet: ob Umsatz, Kosten oder Cashflows vom Konzernplan abweichen. Entsprechend gehört es zu ihren Kernaufgaben, Planabweichungen früh zu erkennen und darauf hinzuweisen. Doch dieser Risikobegriff hat Grenzen – vor allem, wenn wir über Risikotragfähigkeit sprechen. 1. Nicht jede Planabweichung gefährdet die Risikotragfähigkeit Es gibt Planabweichungen, die strategisch und operativ große Diskussionen auslösen – aber kein Risikokapital verzehren. Beispiel aus der Praxis: Viele Investoren arbeiten mit bewusst ambitionierten Wachstumsplänen. Wird das Wachstum verfehlt: • entsteht ein großes Planabweichungsproblem, • aber aus Sicht der Risikotragfähigkeit passiert möglicherweise gar nichts. 👉 Nicht erfüllte Planvorgaben bedeuten nicht automatisch Risiko im kapitalbezogenen Sinne. 2. Umgekehrt gilt: Wo kein Plan ist, gibt es kein Risiko Jeder Risikobegriff enthält automatisch ein Konzept von Risikofreiheit. Wenn Risiko „Planabweichung“ bedeutet, dann ist alles risikofrei, wo es keinen Plan gibt. Beispiel aus der Praxis: Konzernplanung ist kurzfristig – häufig 1–3 Jahre. Risikotragfähigkeit ist im Idealfall langfristig – sie beantwortet Fragen wie: • Wie lange überlebe ich eine Krise, bevor Kapital nachgeschossen werden muss? • Wie viel Risiko kann ich über mehrere Jahre tragen, ohne die Existenz des Unternehmens zu gefährden? Viele ernsthafte Risiken wirken über den Planungszeitraum hinaus. Ein Risikobegriff, der an die Planreichweite gebunden ist, läuft deshalb schnell ins Leere. 3. Praktisches Problem: Risk Owner kennen die Konzernplanung häufig gar nicht Ein planbasierter Risikobegriff setzt voraus, dass die Risk Owner die Konzernplanung im Detail kennen. In vielen Unternehmen ist das nicht für alle Risk Owner der Fall. Das führt zu Scheingenauigkeit und Fehlinterpretationen. Für die Risikotragfähigkeit brauchen wir ein anderes Prinzip: 👉 Risiko ist alles, was Risikokapital verzehrt. Ob es den Plan betrifft oder nicht, spielt keine Rolle, es wird einfach verbraucht. Fazit Planabweichungen sind ein wertvoller Risikobegriff – aber primär für das Controlling. Für die Risikotragfähigkeit brauchen wir einen kapitalbasierten, langfristigen Risikobegriff, der auch das berücksichtigt, was nicht geplant ist und über den Planungshorizont hinausgeht. Wie beantworten Sie diese Fragen?

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