đ§ Die wichtigste Datengrundlage im ERM Im Enterprise Risk Management (ERM) wird hĂ€ufig argumentiert, man mĂŒsse auf ExperteneinschĂ€tzungen zurĂŒckgreifen â denn es gebe keine verlĂ€ssliche Datengrundlage fĂŒr bestimmte Risiken. Das klingt plausibel. Doch die eigentliche Dynamik beginnt erst nach der ersten EinschĂ€tzung. Denn sobald ein Risiko einmal qualitativ oder quantitativ bewertet wurde, entsteht ein starker Ankereffekt: KĂŒnftige Bewertungen orientieren sich an dieser ursprĂŒnglichen EinschĂ€tzung â oft ohne kritisch zu hinterfragen, ob die damalige EinschĂ€tzung ĂŒberhaupt belastbar war. Die Folge: Es entsteht eine scheinbare KontinuitĂ€t, die weniger ĂŒber die tatsĂ€chliche Risikolage aussagt als ĂŒber das Beharrungsvermögen der ersten EinschĂ€tzung. Wer von ihr abweichen möchte, muss plötzlich umfangreich begrĂŒnden, warum â unabhĂ€ngig davon, ob die ursprĂŒngliche Bewertung gut war und es noch ist. đ Das Paradoxon: Die EinschĂ€tzungen, die gemacht wurden, weil es angeblich keine Datengrundlage gab, werden zur faktischen Datengrundlage fĂŒr alles, was danach kommt â inklusive Reporting, Szenarien und MaĂnahmen. Noch problematischer: Diese Grundlage kann mit der RealitĂ€t wenig zu tun haben, entwickelt aber dennoch eine eigene normative Kraft. đ Man arbeitet also oft nicht mit der RealitĂ€t, sondern mit dem Anschein von RealitĂ€t, der durch frĂŒhere EinschĂ€tzungen kollektiv zementiert wurde. Diese erste EinschĂ€tzung wirkt wie ein mentaler Referenzpunkt â egal, wie unsicher, provisorisch oder unreflektiert sie zustande kam. Sie prĂ€gt alles Weitere: Diskussionen, Bewertungen, Szenarien, MaĂnahmen â oft mehr als uns bewusst ist. Vielleicht sollten wir genau dort mit dem Messen beginnen: Bei der Frage, was wir zu wissen glauben â und warum. đ Was gilt in Ihrem Unternehmen als gesichert â und sollte es das wirklich?

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